usic-Stiftung

Das Jahr 2022 verlief für die usic-Stiftung mit Licht und Schatten. Der Kollektivvertrag der suisse.ing hat an Bedeutung zugelegt.

Das allgemeine Marktumfeld im Bereich der Berufshaftpflichtversicherungen ist schwierig geworden.

Marktumfeld

Die Berufshaftpflichtversicherungen stehen beim Bau von Brücken, Tunnels und Talsperren bei den Versicherungen international im Ruf, zum Verlustgeschäft geworden zu sein. Auf der internationalen Ebene hört man von Milliardenforderungen für das Unglück auf der Baustelle der Ituango-Talsperre (2018). Auch in der Schweiz spricht man über Fälle, bei denen versucht wird, ungünstige Kostenentwicklungen beim Bau von Stollen und Tunnel mit Millionenforderungen auf die Planer und deren Berufshaftpflichtversicherungen abzuwälzen.

Die Kollektivversicherung der usic-Stiftung blieb von diesen negativen Entwicklungen bisher verschont. Die usic-Stiftung konnte jedenfalls den Kollektivversicherungsvertrag mit der «Zürich» anfangs 2022 mit unveränderten Prämien bis Ende 2025 verlängern. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Marktumfeldes ist dies keine Selbstverständlichkeit.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich leider bei den Projektpolicen, d.h. bei den Versicherungspolicen, die für einzelne Projekte abgeschlossen werden, in der Regel durch Planergemeinschaften. Bekanntlich ist hier der Versicherer frei in der Prämienfestsetzung. Die «Zürich» hat in diesem Bereich in den letzten zehn Jahren offenbar erhebliche Verluste erlitten – auch mit Projektpolicen von suisse.ing-Büros. Die Schäden waren im langjährigen Vergleich anscheinend rund doppelt so hoch, wie die Prämieneinnahmen. Dieser Trend sei eindeutig und werde auch von anderen Versicherungen festgestellt.

Die Auswirkungen dieser Feststellung der «Zürich» und anderer Versicherungen wurden für die Ingenieurbüros im letzten Jahr deutlich spürbar:

«Soweit überhaupt noch Projektpolicen angeboten wurden, liegen die Prämien deutlich über dem Niveau der Prämien des Kollektivversicherungsvertrags der usic-Stiftung.»

Und für einzelne Projekte fand sich nicht eine einzige Versicherung, die überhaupt noch bereit war, eine Projektpolice anzubieten. Entsprechend konnte die Geschäftsstelle der usic-Stiftung, trotz grossem Einsatz, nicht immer allen Erwartungen der Ingenieurbüros entsprechen. Auch nicht überall wurde verstanden, dass z.B. die Bearbeitungszeiten aufgrund des schwachen Risikoappetits der Versicherungen deutlich länger geworden sind und dass die «Zürich» zum Teil schwer zu motivieren ist, laufende Projektpolicen zu verlängern.

Ein Ausweg für Destinatäre der Kollektivversicherung der usic-Stiftung besteht darin, sich für solche Projekte über den Kollektivvertrag zu versichern. Das ist möglich, wenn alle Mitglieder einer Planergemeinschaft suisse.ing-Destinatäre sind oder wenn ein suisse.ing-Destinatär als Vertragsnehmer auftritt und die übrigen Teammitglieder als Subplaner einbindet. Die Bedeutung des Kollektivvertrages hat somit deutlich zugelegt. Die Versicherung von Planergemeinschaften mit Mitgliedern, die keine suisse.ing-Destinatäre sind, kann indessen nicht über den Kollektivvertrag erfolgen. Zu beachten ist aber auch bei der Kollektivversicherung, dass eine Vorlagepflicht für grössere Brücken, Talsperren und Tunnel gilt, d.h. diese Projekte sind nicht mehr automatisch versichert, sondern erst nachdem sie der «Zürich» vorgelegt wurden.

Vielleicht haben diese negativen Entwicklungen letztlich doch einen positiven Nebeneffekt: Wenn nämlich dieser momentane Trend dazu führt, dass Planer für die von den Versicherungen pauschal als besonders riskant eingeschätzten Projekte (Tunnel, Talsperren, Brücken, Nationalstrassen) keine bezahlbare Versicherungsdeckung mehr erhalten, wird man sich letztlich auch seitens der Bauherren Gedanken zum Thema Versicherung und Haftung machen müssen. Haftungsbeschränkungen, wie sie international üblich sind, wären ein von der suisse.ing schon lange geforderter Lösungsansatz.

Die Verhärtung im Versicherungsmarkt zeigt sich übrigens auch dann, wenn für einzelne Projekte im Rahmen des Kollektivvertrages individuelle Anpassungen und Ausnahmen verlangt werden: Es gibt z.B. Bauherren, welche die Rügepflicht vertraglich aufheben wollen. Dies gilt nach den Versicherungsbedingungen aber klarerweise als von der Versicherung nicht gedeckte Haftungserweiterung. Während es früher möglich war, einzelfallweise die Zustimmung der «Zürich» zu solchen Vertragsklauseln zu erhalten, beisst man heute fast durchwegs auf Granit, wenn man solche Anliegen vorlegt.

Zu den Fakten des Jahres 2022:

Versicherungen

Der Mitgliederbestand der versicherten Betriebe verzeichnete per 31. Dezember 2022 insgesamt 469 Unternehmungen (Vorjahr 473). Das Prämienvolumen (Grund- und Zusatzversicherung) betrug CHF 11.42 Mio. (Vorjahr CHF 10.94 Mio.). Das Prämienvolumen ist provisorisch, da durch die Schlussdeklarationen der Destinatäre der Betrag noch ändert. Bei den Ingenieurgemeinschaften lag das Prämienvolumen – unter dem Regime des alten Vertrags – bei CHF 0.60 Mio. (Vorjahr CHF 0.62 Mio.). Unter dem neuen Rahmenvertrag kamen noch einmal CHF 1.42 Mio. (Vorjahr CHF 1.36 Mio.) hinzu, so dass das Total der IG-Prämien CHF 2.02 Mio. (Vorjahr CHF 1.98 Mio.) betrug. Das Niveau konnte somit trotz widrigem Marktumfeld auf gutem Stand gehalten werden und unterstreicht die Attraktivität des suisse.ing-Modells.

Schadenfälle

Im vergangenen Jahr wurden 168 Schadenfälle (Vorjahr 230) angemeldet. Davon entfallen 105 auf das Jahr 2022. 63 Fälle sind Nachmeldungen aus den Vorjahren. 20 Fälle aus dem Jahr 2022 konnten mit einer Schadenssumme von CHF 96’387.65 bereits abgeschlossen werden. Ob der Rückgang der Anzahl Schadenfälle einem Trend entspricht oder der allgemeinen Streuung zuzuschreiben ist, wird vom Stiftungsrat in der Folge aufmerksam beobachtet werden.

Neben der Bearbeitung von Schadenfällen ist weiterhin die haftpflicht- und vertragsrechtliche Rechtsberatung der usic-Stiftung ein entscheidender Vorteil für die suisse.ing-Destinatäre. Die Beratung wirkt insbesondere auch präventiv und im Vorfeld der eigentlichen Schadenbearbeitung.

«Der Austausch zwischen den drei suisse.ing-Juristen war rege und konnte den anfragenden Mitgliedern grosse Unterstützung bieten.»

Das Juristenteam hat sich immer wieder proaktiv zu Wort gemeldet, namentlich in Publikationen und Merkblättern. Zudem versucht das Juristenteam, im Interesse der suisse.ing-Büros Einfluss auf die Revision der SIA Leistungs- und Honorarordnungen zu nehmen.

An dieser Stelle sei unseren Rechtsexperten – Dr. Thomas Siegenthaler (Zürich), Daniel Gebhardt (Basel) sowie suisse.ing-Geschäftsführer Dr. Mario Marti (Bern) – für ihren Einsatz herzlich gedankt.

Publikationen

Im November 2022 erschien eine weitere Ausgabe der Merkblatt-Reihe «attention!». Diesmal zum Thema «Honorarforderungen; Mehr Details», erarbeitet von Dr. Thomas Siegenthaler. Sodann erfolgte in den usic news 03/22 ein Beitrag zum «Claim-Management – Planerhaftpflicht und Versicherung». Autoren waren Dr. Thomas Siegenthaler sowie der Präsident der Stiftung.

Sitzungen des Stiftungsrates und dessen Arbeitsgruppen

Im Jahr 2022 fanden zwei Sitzungen (März und November) des gesamten Stiftungsrates statt. Die Arbeitsgruppe «Schadenprävention/Qualitätssicherung» führte drei Sitzungen durch (jeweils per Videokonferenz). Zudem traf sich die Arbeitsgruppe «Schadenanalyse» zu drei Tagessitzungen mit Vertretern der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG. Mehrere Sitzungen und Besprechungen der Arbeitsgruppe «Vertragserneuerung» waren nötig zur Bereinigung und Finalisierung der Vertragserneuerung mit der «Zürich» für die Periode 2023-2025.

Prämienrückerstattung – Bonusreglement

Die Zahlung der Prämienrückerstattungen 2022 erfolgten im Oktober 2022.

Dank

Allen Mitgliedern des Stiftungsrates sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für ihr Engagement über das ganze Jahr ausgesprochen. Als Geschäftsstelle fungiert die SRB Assekuranz Broker AG (Zürich) unter der Leitung von Heidi Spinner in Zusammenarbeit mit Barbara Suter, Arbnesa Veseli und Stephan Egli. Als Kontrollstelle wirkt die Peter Stadler Treuhand AG (Baar).

Allen suisse.ing- und Versicherungs-Mitgliedern wünsche ich ein möglichst sicher verlaufendes Jahr 2023.

Dr. Dieter Flückiger, Präsident der usic-Stiftung